Detaillistenverband Kanton Luzern (DVL)
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Post ist kein Krämerladen.

Klare Ansage von Rainer Rickenbach

Kommentar von Wirtschaftsredaktor Rainer Rickenbach, Neue Luzerner Zeitung "Post ist kein Krämerladen".
von Rainer Rickenbach, Neue Luzerner Zeitung

Die Post ist um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Die Politik erwartet von ihr einerseits, in allen Sparten schwarze Zahlen zu schreiben. Andererseits ermutigt die gleiche Politik den Konzern, im Internet-Zeitalter ein unrentables Filialnetz zu betreiben. 

Der staatliche Regiebetrieb hat mit seinem Kioskgeschäft einen Ausweg gesucht, der zwar das Defizit im historischen Kerngeschäft mit Briefen und Postbüchlein-Einzahlungen einigermassen in Grenzen hält. Doch unproblematisch war der Verkauf von Drittprodukten von Anfang an nicht.

Denn ein schöner Teil der heute jährlich 500 Millionen Franken Umsatz aus dem Post-Kioskgeschäft entgeht den KMU-Läden. Die Besitzer etwa von Papeterien beschweren sich mit guten Gründen über einen Wettbewerb mit verschieden langen Spiessen. Dank ihrer Unternehmensgeschichte verfügt die Post über zentral gelegene Immobilien, und beim Handel mit Drittprodukten spielt sie als Einkaufsmacht in einer ganz anderen Liga als der Quartierpapeterist.

Der Wettbewerb zwischen einem Konzern in Staatsbesitz und Betrieben aus der Privatwirtschaft ist ordnungspolitisch fragwürdig. Das Ergebnis daraus zudem nicht sonderlich kundenfreundlich: In den Poststellen warten die Kunden zu den Stosszeiten zwischen Gestellen mit Gummibärchen, Kreuzworträtseln und Staubsaugern dicht gedrängt und schieben wegen des Post-Nebengeschäfts erst noch zusätzliche Warteminuten.

Also mit den Post-Kiosken abfahren? Gerne! Doch die Politik muss im Gegenzug dem Konzern mehr unternehmerische Freiheit im Kerngeschäft zugestehen.

 

INTERVIEW MIT HEINZ BOSSERT, PRÄSIDENT DVL

Heinz Bossert, wie bekommen die Detaillisten das Kioskgeschäft der Post zu spüren?

Heinz Bossert: Der Druck auf die Detailhändler ist enorm. Am stärksten spürt die Papeteriebranche die Konkurrenzierung durch den staatlichen Regiebetrieb Post. Viele Papeteristen verspüren eine Ohnmacht. Sie sehen sich einer übermächtigen Konkurrenz ausgesetzt.

In den ländlichen Regionen arbeiten die Detaillisten aber auch gut mit der Post zusammen.

Bossert: Das stimmt. Einzelne können immer profitieren. Doch es sind immer weniger. Im Grundsatz finden wir es aber falsch, wenn die Post so dominant auftritt in einem Geschäftsfeld, das nichts mit ihrer Kernkompetenz zu tun hat.


Sie sprechen die im Vergleich starke Marktstellung der Post an.

Bossert: Die Post ist ein ehemaliger staatlicher Monopolbetrieb. Wenn ein solches Unternehmen aggressiv mit kleineren privaten Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden und Steuern und Abgaben leisten, konkurrenziert oder diese sogar vom Markt verdrängt, kann man keinesfalls von gleich langen Spiessen sprechen. Diese Kioskangebote gehen klar zu Lasten der KMU-Läden.


Sind die Probleme der Detailhändler nicht eher auf andere Faktoren zurückzuführen wie den Online-Handel?

Bossert: Das mag eine weitere Erklärung sein. Bei den Papeterien sehen wir aber, dass das Internet einen eher kleinen Teil ausmacht. Die Hauptkonkurrenzierung erfolgt in dieser Branche vor Ort, in den Poststellen.


Was wären denn aus Ihrer Sicht Lösungsansätze?

Bossert: Wir sehen hier keine andere Lösung, als dieses Unding abzuschaffen. Die Post sollte ihre Kernkompetenzen, ihre Effizienz und die Kundenbedürfnisse überprüfen. Sollte vom Volk weiterhin ein solch breites Angebot gewünscht werden, dann braucht es klare Regeln. Würde die Post detaillierte Zahlen aus dem Verkauf von Drittprodukten veröffentlichen, könnten auch entsprechende Regeln erarbeitet werden. Ich habe hier Hoffnung und Vertrauen in die Politik, dass nun Bewegung in diese Sache kommt.

Heinz Bossert (59) ist Präsident des Detaillistenverbands Kanton Luzern (DVL).

INTERVIEW LIVIO BRANDENBERG, NEUE LUZERNER ZEITUNG

pdfNeue Luzerner Zeitung vom Freitag, 10. April 2015: Post ist kein Krämerladen.

  • Erstellt: 10.04.15

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